Das Geschäft mit der Neugier

Nacherzählt nach einer Geschichte von Abraham a Sancta Clara (1644 bis 1709)

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Es war an einem sonnigen Markttag in Landshut, als ein seltsamer Fremder in die Stadt kam. Er trug einen bunten, etwas staubigen Mantel und ein breites Grinsen im Gesicht. Mit einer lauten Trommel zog er durch die Gassen und rief allen neugierigen Bürgern zu: „Kommt herbei und staunt! Ich zeige euch ein Wunder der Natur! Ein einzigartiges Pferd, dessen Kopf genau dort wächst, wo andere Tiere ihren Schweif haben!“

Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Die Landshuter, von Natur aus neugierig und immer bereit für ein kleines Spektakel, liefen in Scharen herbei. Vor dem alten Stall am Stadtrand bildete sich im Handumdrehen eine lange Schlange. Jeder wollte unbedingt der Erste sein, der dieses rätselhafte Geschöpf zu Gesicht bekam, und drückte dem Fremden bereitwillig seinen Groschen in die Hand. Der Beutel des Schwindlers füllte sich rasch mit schwerem Silber.

Endlich öffnete der Mann feierlich die knarrende Stalltür. Die Menge drängte erwartungsvoll nach drinnen und reckte die Hälse. Doch statt eines mythologischen Monsters oder einer wissenschaftlichen Sensation bot sich ihnen ein recht amüsanter Anblick: Der Betrüger hatte ein ganz normales Pferd einfach verkehrt herum in die Box gestellt. Das Hinterteil zeigte zum Eingang, und der Pferdeschweif war mit einem festen Strick an die hölzerne Futterkrippe gebunden.

„Da schauet!“, rief der Fremde und breitete triumphierend die Arme aus. „Andere Pferde haben an dieser Stelle ihren Kopf, aber mein Roß hat hier eben seinen Schweif!“

Einen kurzen Moment herrschte betretenes Schweigen in dem dämmrigen Stall. Dann brach schallendes Gelächter aus. Selbst die Geprellten mussten zugeben, dass sie dem schlauen Scharlatan auf den Leim gegangen waren.

So ist es oft im Leben: Gierige und einfallsreiche Menschen ersinnen allerlei Ränke, um schnell an Geld zu kommen. Weder Gottes Gebot noch menschliche Moral halten sie davon ab. Wahrlich, man könnte das Geld fast „Eure Herrlichkeit“ nennen – so mächtig regiert es über die Welt und die Herzen der Menschen.

Abraham a Sancta Clara (eigentlich Johann Ulrich Megerle) war ein berühmter barocker Prediger, Schriftsteller und katholischer Mönch. Er lebte von 1644 bis 1709 und zählte zu den bedeutendsten und volkstümlichsten Rednern seiner Zeit im deutschsprachigen Raum.

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