Das Nibelungenlied ist eine sehr alte und berühmte deutsche Geschichte voller Abenteuer, Liebe und Verrat. Im Mittelpunkt stehen der starke Held Siegfried, die schöne Königstochter Kriemhild und ein riesiger Schatz aus Gold. Diese dramatische Sage erzählt von mächtigen Helden, falschen Freunden und dem schrecklichen Ende des Helden und seiner Mörder.

Schon in jungen Jahren zog es Siegfried, den Königssohn aus Xanten, hinaus in die weite Welt, weil ihm der heimische Hof zu eng war. Er wollte das Schmiedehandwerk lernen und zog zu einem Meister namens Mime, der ihn das Hämmern und Feilen lehrte. Doch Siegfried war viel zu stark für die gewöhnliche Arbeit; mit jedem Hammerschlag zertrümmerte er den Amboss. Als Mime erkannte, dass dieser Jüngling unbändige Kräfte besaß, schickte er ihn in den finsteren Drachenwald, um ihn loszuwerden. Dort lauerte der furchterregende Drache Fafnir, der einen unermesslichen Schatz bewachte. Siegfried fürchtete sich nicht, trat dem Ungeheuer mutig entgegen, durchbohrte seinen Panzer mit dem Schwert Balmung und erlegte die Bestie. Als er sich im warmen Drachenblut wusch, verwandelte sich seine Haut in undurchdringliches Horn, geschützt gegen jede Klinge – bis auf eine kleine Stelle zwischen den Schultern, auf die ein Lindenblatt gefallen war.
Nach dem Sieg über den Drachen bezwang Siegfried die Zwergenbrüder Schilbung und Nibelung, die sich gerade um ihren gewaltigen Schatz stritten. Sie machten Siegfried zum Herrscher über das Gold, und er nahm auch die Tarnkappe an sich, die einen unsichtbar machte und die Kraft von zwölf Kriegern verlieh. Mit diesem Reichtum und gestärktem Ruhm zog es ihn schließlich an den Rhein nach Worms, wo er um die schöne Königstochter Kriemhild werben wollte. Bevor er sie jedoch zur Frau nehmen durfte, musste er König Gunther bei dessen Brautwerbung um die isländische Königin Brunhild unterstützen. Siegfried nutzte seine Tarnkappe, um Gunther im übermenschlichen Kampf gegen Brunhild im Speerwurf, Steinstoßen und Weitsprung heimlich zum Sieg zu verhelfen.
Später musste Siegfried noch einmal seine magischen Kräfte einsetzen: Als Brunhild in der Hochzeitsnacht ihren Gemahl Gunther fesselte, schlich Siegfried sich unsichtbar in ihr Gemach und rang die widerspenstige Königin im harten Zweikampf nieder, um Gunthers Ehre zu retten. Nach diesen Abenteuern lebte Siegfried jahrelang als gefeierter Held in Xanten und kehrte erst Jahre später im Zuge eines Familienfestes nach Worms zurück. Dort wurde sein glänzendes Leben durch den heftigen Streit der Königinnen jäh überschattet. Ein tödlicher Verrat, eingefädelt von Hagen von Tronje, beendete schließlich seine Abenteuer, als Hagen ihn während einer Jagd im Odenwald feige von hinten an seinem einzigen wahren Schwachpunkt – dem seidenen Kreuz auf dem Rücken – mit dem Speer durchbohrte.

